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GESCHICHTEN VON "FRAU KASSE"

LebensLust
Gern möche ich hier etwas posten, was ich beim Stöbern im Web gefunden habe. Vielleicht könnt Ihr die Gedanken nachvollziehen: "Ob es einem Menschen gut oder schlecht geht, hängt zu einem guten Teil von Faktoren ab, die nicht in seiner Macht liegen. Was er aber beeinflussen kann, ist seine Sichtweise, sind Haltung und Methode, mit denen er auf Herausforderungen und Probleme reagiert. Man hat die Wahl, sich dabei eher am Problem zu orientieren oder eher an der Lösung. Beides hat seine Berechtigung, aber die Wirkung auf das individuelle Wohlergehen ist gegensätzlich. Wer sich beispielsweise in einer fremden Stadt auf dem Weg zum Bahnhof verlaufen hat, kann beginnen zu analysieren, wie dies geschehen konnte. Am Ende solch eines Prozesses weiß er im optimalen Fall, wie er dahin gelangt ist, wo er jetzt ist. Aber ist er damit dem Bahnhof noch keinen Schritt näher gekommen. Lösungsorientierte Methoden richten im Gegensatz dazu ihre Aufmerksamkeit auf die Zukunft und den Weg zum Ziel. Sie versuchen herauszufinden, wo und wie man, beispielsweise, am schnellsten zum Bahnhof kommt, welche früheren oder fremden Erfahrungen sich bei der Suche nutzen lassen, wen man fragen kann, wo es lang geht usw."   Prof. Dr. med. Fritz B. Simon
Glück ist ansteckend und kann sich unter Freunden und Verwandten wellenartig weiterverbreiten: Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie von US-Forschern. Durch diesen Effekt entstehen Ansammlungen von glücklichen oder unglücklichen Menschen in bestimmten geographischen Gebieten oder sozialen Gruppen. Dies zeige, dass Menschen nicht nur selbst für ihre Zufriedenheit verantwortlich seien, erklärten die Forscher. Vielmehr sei das Glück und der gesundheitliche Zustand einer Person von deren Umfeld abhängig. Während die Launen der Arbeitskollegen offenbar keine Auswirkungen auf den eigenen Gefühlszustand haben, können Nachbarn und Freunde das Glück eines Menschen erheblich beeinflussen. Zudem ist die geographische Nähe wichtig: So ist die Wahrscheinlichkeit für einen Menschen, glücklich zu sein, um 25 Prozent größer, wenn ein glücklicher Freund weniger als 1,6 Kilometer weit weg wohnt. Glückliche Nachbarn erhöhen die Wahrscheinlichkeit um 34 Prozent, in der Nähe lebende glückliche Geschwister um 14 Prozent, ein glücklicher Partner allerdings nur um acht Prozent. In einem Geleitwort zu der Studie erklären die Professoren Andrew Steptoe vom Londoner University College und Ana Diez Roux von der Universität Michigan, die Ergebnisse seien bahnbrechend". "Wenn Glück tatsächlich über soziale Verbindungen weitergegeben wird, könnte das indirekt zur sozialen Weitergabe von Gesundheit beitragen. Das hätte erhebliche Auswirkungen auf die Krankenversicherung", erklärten die Wissenschaftler. Zwischen 1971 und 2003 untersuchten die Forscher das soziale Gefüge und den Gefühlszustand von mehr als 5.000 Erwachsenen zwischen 21 und 70 Jahren.
Die Studie wurde Anfang Dezember 2008 im "British Medical Journal" veröffentlicht.


Toleranz

"Von einem fleischessenden Autofahrer lasse ich mir ungern das Rauchen verbieten"
Max Goldt

Was die Leute nicht verstehen: dass sie irgendwann selbst dran sind - zur Zeit geht's mal wieder heftig gegen die Raucher...
Irgendwann wird jemand wegen schlechter Leberwerte die doppelte Krankenversicherung bezahlen, als Motorradfahrer und Bergsteiger überhaupt nicht mehr genommen, Biertrinker fliegen eh gleich ganz vor die Tür u.s.w. - so wird eine Minderheit nach der anderen abgeklappert, immer unter dem Beifall der nichtbetroffenen Mehrheit - bis diese dann auf einmal kapiert, dass sie in irgendeinem Lebensbereich auch zu einer Minderheit gehört. Aber dann ist es zu spät.
Ich kann ohne Probleme zahllose Verhaltensweisen aufführen, die gesundheitlich, sozial, umweltmäßig und gesellschaftlich gesehen hochgradig schädigend und verachtenswert sind - mach ich da einen Wind drum? Nein. Das nennt man Toleranz. Die wird auch von mir täglich aufs äußerste gefordert.
Und zwar z.B. von
-Billigfleischessern
-indenZooGehern
-KäfigeierKäufern
-Autobahnrasern
-Discountereinkäufern
-ÜberflüssigesZeugsSchreibern
-ÜberflüssigesZeugsHerstellern
-Tierquälern
-lauteMusikHörern
-Flatratesäufern
-Kurzstreckenfliegern
-Fußballanhängern
-Bildzeitungslesern
-u.s.w.
Sagen sie mir irgendein Verhalten von Ihnen und ich kann Ihnen fundiert erklären, warum gerade DIESES das Hinterletzte, Schädigendste und Verurteilenswerteste ist - das ist wirklich keine Kunst.


Was der macht, der guckt

Zum Theater gehören Zuschauer. Der Maler kann einsam in Atelier arbeiten. Er braucht letztlich immer nur einen, der sein Bild kauft. Der Schauspieler übt seinen Beruf öffentlich aus. Theater ohne Publikum ist kein Theater. Spätestens seit wir die Quantentheorie kennen, wissen wir: Der Beobachter verändert das Beobachtete (das zu Beobachtende).
Es ist ein wichtiges Phänomen in der Quantentheorie, dass die Dinge sich anders verhalten, wenn jemand zuschaut, als wenn niemand zuschaut.
Wenn sich schon die Dinge anders verhalten, um wieviel mehr dann die Menschen, wenn sie registrieren, bewusst und mehr noch unbewusst, dass sie beobachtet werden. Man überlege einfach, was mit einem passiert, wenn man beispielsweise in einem Café feststellt, dass eine (womöglich attraktive) Person einen immer wieder ansieht und offenkundig Interesse zeigt.
Im Theater sind die Zuschauer Teil der Aufführung. 50 Prozent des Gelingens einer Theateraufführung hängen vom Publikum ab. Andersherum: Wenn den Leuten was nicht gefällt, liegt es zu 50 Prozent an ihnen selbst.  Hat das Publikum keinen Zugang zu dem, was auf der Bühne passiert, verschließt es sich, ist es bockig, kann es am Bühnengeschehen nichts finden, versteht es akustisch, inhaltlich-thematisch nicht – läuft das Spiel ins Leere.
In solchen Fällen sagt das Publikum gerne: Das war nichts. Das war schlecht. Einen solchen Quatsch hab ich noch nie gesehen. Was da geboten wurde, war das Eintrittsgeld nicht wert.
Die Schauspieler hatten auf der Bühne vielleicht den eisigen Wind der Ablehnung oder diese Gegenströmung des Unverständnisses gespürt, mindestens unbewusst (nehmen wir doch ohnehin nur 0,1 Prozent der auf uns einwirkenden Informationen bewusst auf). Sie reagierten darauf auch – vorwiegend unbewusst – mit eingeschränktem Potential. So wie sie sich andererseits von Hochstimmung im Publikum auch dazu hinreißen lassen, „dem Affen Zucker zu geben“.
Drücken wir es literarischer aus und wählen dazu eine Passage aus dem Vorspiel  „Faust I“ / Goethe, da sagt der Theater-Direktor (zum Dichter) unter anderem:

Bedenkt, Ihr habet weiches Holz zu spalten,
Und seht nur hin, für wen Ihr schreibt!
Wenn diesen Langeweile treibt,
Kommt jener satt vom übertischten Mahle,
Und, was das Allerschlimmste bleibt,
Gar mancher kommt vom Lesen der Journale.
Man eilt zerstreut zu uns, wie zu den Maskenfesten,
Und Neugier nur beflügelt jeden Schritt;
Die Damen geben sich und ihren Putz zum besten
Und spielen ohne Gage mit.
Was träumet Ihr auf Eurer Dichterhöhe?
Was macht ein volles Haus Euch froh?
Beseht die Gönner in der Nähe!
Halb sind sie kalt, halb sind sie roh.
Der, nach dem Schauspiel, hofft ein Kartenspiel,
Der eine wilde Nacht an einer Dirne Busen.
Was plagt ihr armen Toren viel,
Zu solchem Zweck, die holden Musen?
Ich sag Euch, gebt nur mehr und immer, immer mehr,
So könnt Ihr Euch vom Ziele nie verirren
Sucht nur die Menschen zu verwirren,
Sie zu befriedigen, ist schwer –
So manches (Theater-) Problem ist also seit langem bekannt.
 

Mal was zum Rätseln.

Der Spion will sich in die Stadt einschmuggeln, muss aber am Torwächter vorbei. Da er das Passierwort nicht weiß, beobachtet er andere, wie sie das Tor passieren. Als erstes kommt ein dicker Mönch. Der Torwächter sagt:"16", worauf der Mönch schlicht:"8" sagt. Dann kommt ein Bauer. Der Torwächter sagt:"28" und der Bauer:"14". Als ein Händler kommt, sagt der Wächter:"8" und bekommt als Antwort:"4". Alle dürfen passieren. Ach so, das ist ja einfach, denkt der Spion und antwortet auf des Torwächters Frage:"12" lässig "6" und wird umgehend verhaftet.

Was hätte er wohl sagen müssen?
PS. Um in unser Theater zum kommen reicht eine Eintrittskarte. Nach einem Paswort fragen wir nicht. Wer die Antwort weiss, kann uns gerne schreiben. Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir:

MEINE SCHNAPPSCHÜSSE
Unter dem Motto „11 Jahre Kölner Lichter – ein kölsches Jubiläum“ erlebten in diesem Jahr  knapp eine Million Besucher von der Hohenzollern- bis zur Zoobrücke und weitere Zehntausende außerhalb der Innenstadt ein Feuerwerksspektakel der Extraklasse. Mal wieder überraschte das Pyro-Team mit neuen Ideen und stimmungsvollen Effekten. Eingeleitet von Originaltönen berühmter Ikonen der Domstadt wie Trude Herr oder Willy Millowitsch, zeigte die Musikauswahl, dass „kölsche Tön“ nicht nur im Karneval zu Hause sind.
Für eine wunderbare musikalische Untermalung des Events, die den Besuchern das Warten auf das Feuerwerk verkürzte, sorgte in diesem Jahr die Junge Sinfonie Köln, die gemeinsam mit ihren Gästen, u.a. den Höhnern, die Besucher bestens unterhielt. Quelle: www.kölner-lichter.de


Kaltes Schnitzel, warmes Bier

Unter diesem Titel "Kaltes Schnitzel, warmes Bier" berichtet die Süddeutsche vom Wochenende 15. / 16. Januar, Seite 15: "Wien hat ein neues Kabaretthaus, aber Österreichs 'Kleinkunst' hat ein Problem mit der Größe."
Da wird wieder mal lustvoll kolportiert: ".. der Wiener geht schon immer unter, er schlägt nur nie unten auf."  oder: die größten Feste seien die Beerdigungen auf dem Zentralfriedhof; oder: für die besten Kellner in den Kaffeehäusern würden die unfreundlichsten gehalten. Solche nun liebevoll gehegten Vorurteile über die Ösi-Hauptstädter, sollen dazu verführen,  zustimmend zu nicken: mit dem Autor (Matthias Waha) zu schlussfolgern: "Derartige Morbidität und Depression kann man ohne Humor gar nicht aushalten. Das Kabarett  gehört deswegen in Wien auf unverzichtbare Weise zum Stadtbild."
Na ja, ich hab in Wien schon einiges fotografiert.  Das Kabarett ist mir dabei nicht ins Bild gerutscht. Insofern bin ich skeptisch anzunehmen, was ich weiter lesen darf: "Die Szene, die mit Helmut Qualtinger oder Georg Kreisler auf eine lange Tradition zurückblickt, hat es in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts geschafft, den Humor des ganzen deutschsprachigen Raumes zu verändern. Modellhaft gesprochen: Dieter Hildebrandt wurde abgelöst von Josef Hader."
Der Josef Hader. Das andere Kabarett. Kleinkunst! Kleinkunst? Sind wir beim Thema? Kunst? Klein? Im Gegensatz wozu? Zum Schauspiel? Zur Oper?
Der Waha bringt wieder so einen Satz: "… die Kunst, einen Menschen zum Lachen zu bringen, ohne dass der sich später für sein Lachen schämen muss, ist eine große Kunst."
Danke! Danke, Herr Waha, danke SZ.
Hat der Hader die selbstgebastelte Anekdote auf Lager, der Qualtinger habe mal im Restaurant moniert: "Herr Ober, das Schitzel ist kalt." Und der Ober, habe geantwortet: "Wenn Sie was Warmes wollen, müssen Sie ein Bier bestellen." Das habe Qualtinger sprachlos gemacht.
Mit der Anekdote beweist der Hader gar nichts. Aber das muss er auch nicht. Beweisen oder belehren, Politiker derblecken, die Realität kabarettistisch aufbereiten, Realsatire überbieten wollen - Hader hat seit 2004 kein neues Programm gemacht. Das neue, für rund 850 000 Euro umgebaute Wiener Kabaretthaus (ehemals Ballsaal des Hotels Münchber Hof) mit seinen 360 blassrosa bezogenen Sitzplätzen in der Mariahilfer Straße soll der Ort für Kleinkunst sein.
Wer 360 Plätze regelmäßig (was ist das?) voll kriegt, macht keine kleine Kunst. Er macht aber auch keine Kunst im Sinne von "nicht populär (breitenwirksam)" und unkommerziell, nicht mal in einer Millionenstadt, in einer Metropole.  In durchschnittlichen Städten provinziellen Zuschnittswürde Hader so einen Raum wohl (an zwei bis drei Abenden hintereinander) füllen. Der ortsansässige Klein-Künstler könnte auf drei Abende mit einem Publikum in der Größenordnung von zehn bis 20 Prozent hoffen - und sich dabei sauber verkalkulieren. Selbst wenn er die Kunst beherrschte, einen Menschen zum Lachen zu bringen, ohne dass der sich später für sein Lachen schämen muss. Ach, da hat man zu tun …

Das lassen wir uns nicht entgehen!
Die "Kölner Lichter" gehen am 9. Juli in die 11. Runde – ein Kölner Jubiläum, das es mit dem längsten Feuerwerk aller Zeiten zu feiern gilt. Obendrein wird die Hohenzollernbrücke 2011 100 Jahre alt – Anlass für das erste Feuerwerk auf der Brücke selbst. Und auch die Maus feiert ihren 40. Geburtstag, weshalb sie ebenfalls nicht fehlen darf.
Der Chefpyrotechniker überrascht die Besucher in diesem Jahr mit einem ganz speziellen Zauber auf dem Mittelbogen der alten und ehrwürdigen Hohenzollernbrücke: Aus Feuertöpfen schießen 40 bis 50 Meter hohe Flammen empor. Zudem soll unterhalb der Brücke nicht nur in Flammen der 100. Geburtstag der Brücke, sondern auch der 40. Geburtstag der Maus gefeiert werden.
50 festlich beleuchtete Boote werden im Laufe des Abends vom Stadtteil Porz in Richtung Innenstadt fahren und von sechs Feuerwerken begleitet. Um 23.30 Uhr beginnt dann das Hauptfeuerwerk, das von zwei 120 Meter langen Schiffen aus gezündet wird.

30 Minuten und 34 Sekunden soll es in diesem Jahr dauern, es wird damit das längste Feuerwerk aller Zeiten bei den "Kölner Lichtern".

Keine Ahnung - wie ein Politiker
Im berühmten Sketch “der sprechende Hund” gibt es eine total aktuelle Passage. Nachdem die Interviewerin den Lehrer des sprechenden Hundes über ein paar Hintergründe befragt hat, fordert sie:
“Herr Dr. Sommer, könnte der Hund jetzt mal irgendwas sprechen?”
Dr. Sommer fragt nach einem Thema. Die Sache plänkelt so hin, dann
Dr. Sommer: “… etwas aus der Wirtschaft?”
Talkmasterin: “Ja, bitte”
Dr. Sommer: ”Über Atomstrom”
Talkmasterin: ”Nein, das sagt er nicht! Politische Äußerungen von Hunden sind auf dem Bildschirm unerwünscht”
Dr. Sommer: ”Aber ich versichere Ihnen, das …”
Talkmasterin:” Nein nein …”
Dr. Sommer: ”Ich versichere Ihnen, das Tier äußert sich rein privat … ohne jeden politischen Aspekt”
Talkmasterin: ”Atomstrom ist ein politischer Aspekt”
Dr. Sommer: ”Na wenn schon”
Talkmasterin: ”Und nicht Hunde, sondern Politiker haben darüber zu sprechen!”
Dr. Sommer:” Bello hat das Recht über Atomstrom zu sprechen … wie ein Politiker!”
Talkmasterin: ”Aber er weiß ja nicht, worüber er spricht!”
Dr. Sommer: ”Wie ein Politiker!”
Loriots Dramatische Werke haben regelrecht die deutschsprachigen Theater-Bühnen erobert: Seine "Szenen" waren in der Spielzeit 06 / 07 laut der Werkstatistik des Deutschen Bühnenvereins in der Liste der Werke mit den höchsten Aufführungszahlen an siebter Stelle. 48 222 Menschen hatten die fünf-Minuten-Dramen in 17 Inszenierungen mit 442 Aufführungen gesehen. (Da sind die Zahlen vieler Theater noch nicht einmal dabei, weil sie wegen der Überbürdung im bürokratischen Bereich für diese Statistik nicht gemeldet haben.)
Und  Loriot ist auch jetzt gerade wieder verdammt aktuell: Es lohnt sich, gerade angesichts der laufenden Ereignisse mal das eine oder andere wieder nachzulesen.  Zum Beispiel, was Herr Dr. Sommer in "Der sprechende Hund" zum Thema Politiker und Atomstrom zu sagen hat. Auch "Das Wahlplakat" ist im Hinblick auf das Wahljahr sehr hübsch, "Frühstück und Politik" und der "Aufbruch" machen Laune.
Klar - "Das Frühstücksei", die „Eheberatung", „Die englische Inhaltsangabe", der "Feierabend"  oder der „Fernsehabend" sind mittlerweile zu wahren Klassikern geworden. Seit über 40 Jahren lässt Loriot die Deutschen lachen über die Komik des Alltäglichen und die Tücken des Objekts. Aber noch immer spiele ich mit wahrem Genuss "Die Bundestagsrede". Mein lieber Herr Gesangverein, da kommt so mancher Akteur der Berliner (Polit-)Bühne nicht hinterher.
Allen, die noch etwas Theorie brauchen, dürfen wir hier die Fundamentalsätze des Großmeisters des hintersinnigen Humors (denn es in Deutschland ja angeblich gar nicht gibt) reichen, ordentlich zitiert, als Fußnote, mit Quelle:
 

*„Dramatische Werke soll es seit etwa zweitausendfünfhundert Jahren geben. Das kann stimmen, es gab in Berlin schon Theateraufführungen, als ich noch Kind war. Man spielte damals Stücke von Shakespeare, Molière, Lessing, Goethe, Schiller, Kleist, Ibsen, Strindberg, Hauptmann und ähnliches. Heute sind die genannten Autoren unbekannt und ihre Werke in Vergessenheit geraten. Das Publikum ist anspruchsvoller geworden. Es erwartet die dramatische Verarbeitung von Problemen aus dem eigenen Lebensbereich.
Infolge mannigfaltiger Belastungen durch Beruf, Familie und Freizeit ist der moderne Mensch jedoch kaum noch imstande, sich auf ein mehrstündiges Bühnenwerk zu konzentrieren. Aus diesem Grunde überschreitet so gut wie keines meiner Dramen eine Länge von fünf Minuten. Damit sind sie dem biologischen Rhythmus von Menschen und weißen Mäusen angepasst.“
Ammerland, im Sommer 1981 / Aus Loriots Dramatische Werke, Diogenes Verlag

Gehst Du eigentlich auch mal zum Arzt, wegen Vorsorge und so?
"Klar, muss man ja. Aber selbst wenn Du nicht wolltest - Du kannst doch heutzutage den Fängen des medizinisch-industriellen Gesundheitswesen gar nicht mehr ausweichen. In den Innenstädten stolperst Du doch alle zehn Meter in eine Arztpraxis, in eine Tages-Klinik, in irgendein Ambulatorium. Und wenn Du meinst, Du hättest es geschafft, kommt ne Apotheke, von Optikern und Hörgeräteläden ganz zu schweigen."
Ich überleg die ganze Zeit, in der man soviel über Gesundheit redet, ob ich nicht mal wieder eine rauchen sollte. Aber dann müsste man vor die Tür gehen. Es regnet. So kann ich jeden Rückfall vermeiden.
"Wenn Du dann beim Arzt landest - die Rumhockerei in den Wartezimmern. Das ist doch schrecklich."
Hui, das ist mein Thema: "Ja, weil so viele so regelmäßig gehen. Meine Nachbarin, die geht sowas von regelmäßig: montags, mittwochs und freitags. Das war ja sogar unlängst die Schlagzeile in der BLÖD: 'Viele Alte gehen aus Langeweile zum Arzt.'  Und dann gibt’s die Profis, die machen Praxen-Hopping, nicht, um den Arzt zu wechseln, sondern die Wartezimmerbesetzung. Weil sie ihre Story schon mehrfach denselben Leuten erzählt haben und die Stories der anderen auch schon in und auswendig kennen. Wenn Du einmal anfängst, hängst Du drin: In unserem Alter muss es ja der Urologe sein. Von da zum Endokrinologen. Der schickt Dich zum Augenarzt. Und beim Hausarzt Deines Vertrauens landest Du dann irgendwann sowieso - ich auch. Wollte nur mal so ein bisschen Fango und Massage. Ich dachte: Da gehste hin, kriegst nen Attest und schwupps. Flöte: Der Doc fragt, warum ich das will. Ich sag: Ich sag: Ach, wissen Sie, der Rücken. Er: 'Der Rücken? Wann sind Sie das letzte Mal geröntgt worden?' - '25 Jahre….' Jetzt war ich dran. Ab in die Röhre, Computertomo-Dingsbums. Ist natürlich sau-teuer. Einmal rein und raus: 700 €. 1000 Patienten braucht's, bis sich der Apparat amortisiert hat. Ich habe zum wirtschaftlichen Nutzen beigetragen, komm zum Hausarzt zurück, der guckt sich den Befund an, sagt was von altersbedingtem Verschleiß und Schonung und verschreibt mir: Fango und Massage. Dann fragt er noch, ob ich nicht ne Kur wollte. Ich sag „Auf meine alten Tage?“ und erzähl noch, dass ich vor zwei Jahren alles probiert hab, aber alles abgelehnt wurde. Er sagt, mit dem Befund kriegt er ne Kur für mich durch. Du siehst ja: Jetzt, bloß ein Vierteljahr später bin ich hier, in Kur. Hauptanwendungen? Fango und Massage – Kostenpunkt? Ein paar lumpige Tausender."
 
Facebook
Gerade erreicht mich eine persönliche Nachricht auf Facebook. Da fragt mich eine langjährige Bekannte:
“Hallo…, als Facebooker könnt ihr mir doch bestimmt sagen, wie das mit dem Urheberrecht ist, wenn ich z.B. einen Text, der jetzt nicht unbedingt aus der Presse stammt, auf Facebook posten möchte. Ich denke da z.B. an einen Blogeintrag oder einen Text von einer fremden Webseite. Darf ich das, wenn ich ihn als Zitat kennzeichne und den Urheber angebe? Oder muss ich da eine Einwilligung einholen? Oder muss ich, wenn nicht, dann den Namen zu Guttenberg annehmen oder wie ist das? ;-)
Ein fröhlicher Gruß …”

Ich hab geantwortet:
Meine (vielleicht etwas konventionelle und für viele langweilige, wenig Glamour ausstrahlende) Devise: Grundsätzlich zitieren und sagen, woher es ist. Aber Du kannst auch den Guttenberg heiraten, klar, dann darfst Du so machen, wie Du willst.
 

SEESTERN
Als der alte Mann bei Sonnenuntergang den Strand entlang ging, sah er vor sich einen jungen Mann, der Seesterne aufhob und ins Meer warf. Nachdem er ihn schließlich eingeholt hatte, fragte er ihn, warum er das denn tue. Die Antwort war, dass die gestrandeten Seesterne sterben würden, wenn sie bis Sonnenaufgang hier liegen bleiben.
„Aber der Strand ist viele, viele Kilometer lang und Tausende von Seesterne liegen hier,“ erwiderte der Alte. „ Was macht es also für einen Unterschied, wenn Du Dich abmühst?“
Der junge Mann blickte auf den Seestern in seiner Hand und warf ihn in die rettenden Wellen. Dann meinte er:
„Für diesen hier macht es einen Unterschied"

 

Bei diesen Geschichten handelt es sich teilweise um Fundstücke aus dem Internet,
u. a.  Blog des Autonomen Goethe- und Schillertheaters.
 


Theater an St. Cornelius

www.kleine-buehne.de